Koch-Mehrin zurück in den Kindergarten?

In dem am frühen Abend hier veröffentlichten Artikel zum Entzug des Doktortitels im Fall von Silvana Koch-Mehrin wurde es ja bereits angedeutet: Wieso kommt Koch-Mehrin auf die Idee, den Entzug des Doktorgrades rechtlich prüfen lassen zu müssen? Wieso akzeptiert sie nicht, was doch gar nicht anders zu erwarten war und vollkommen zu Recht geschieht?

Gegen 18:30 Uhr veröffentlichte „WELT online“ eine erste Reaktion Koch-Mehrins auf die Meldung zum Entzug ihres Doktortitels. Zusammengefasst: Ihre Arbeit sei fehlerbelastet und in Teilen mangelhaft, aber die Uni Heidelberg wisse das ja bereits seit 11 Jahren und habe ihr dennoch den Doktortitel verliehen, daher muss das ja alles rechtens gewesen sein.

Koch-Mehrin geht sogar zum Gegenangriff über

„Zur guten wissenschaftlichen Praxis gehört es, in einer Doktorarbeit ordentlich zu zitieren.“

„Zur guten wissenschaftlichen Praxis gehört es aber sicher auch, eine vorgelegte Arbeit ordentlich zu prüfen.“

Versucht sie da etwa tatsächlich, die Universität in die Pflicht zu nehmen und ihr eine Mitschuld zu geben? Unglaublich. Vielleicht versucht sie, hier Sympathiepunkte bei dem Teil der Öffentlichkeit zu sammeln, der überzeugt ist, dass die Universitäten eine große Mitschuld tragen, da die Doktorarbeiten nicht ordentlich kontrolliert werden und Doktortitel sowieso viel zu schnell und zu einfach vergeben werden.

Anders ist das nicht erklärbar. Dennoch kann man von den Doktorvätern nicht erwarten, dass sie die vorgelegten Doktorarbeiten im selben Rahmen prüfen, wie das aktuell Vroniplag und co. tun. Das ist schon allein vom Aufwand her für eine Einzelperson kaum zu stemmen. Auch Dekan Berg betont:

„Das Verhältnis zwischen Doktorvater und Doktorand müsse grundsätzlich von Vertrauen zueinander geprägt sein, gerade was die Verwendung des geistigen Eigentums anderer angehe.“

Dies ist die gängige Praxis, an der an sich auch nichts verwerflich ist. Der Versuch Koch-Mehrins die Schuld nun auf andere abzuwälzen zeugt von vielem, aber nicht von der Reife, die man von jemandem mit Doktortitel erwarten darf.

6 Gedanken zu „Koch-Mehrin zurück in den Kindergarten?“

  1. Koch-Mehrin ist ja nicht deshalb weniger schuld an ihrem Betrug, weil es Leute gab, die nicht hingeschaut (oder sogar weggeschaut) haben. Aber dass es bei einer „normal“ sorgfältigen Prüfung einer Doktorarbeit auffallen muss, in welch desolatem Zustand sie teilweise ist, das muss man auch berücksichtigen. Bei Guttenberg hätte es auffallen müssen. Die jüngeren Fälle sind auch eindeutig, das hätten Prüfer ebenfalls merken müssen, die die Arbeit gelesen hätten, ohne zwei Augen zuzudrücken.
    Koch-Mehrin erweckt noch den Anschein, verhältnismäßig aufwendig plagiiert und verschleiert zu haben. Aber wenn dann Abschnittsweise die Fußnoten fehlen, dann muss man sich als Prüfer doch automatisch fragen, woher der Prüfling die Informationen genommen hat (nicht allein, woher er die Formulierungen gestohlen hat).
    In der Wikipedia gilt es inzwischen als Standard, dass Behauptungen belegt werden sollen. An den Unis nicht mehr?

  2. Zitat:

    Der Versuch Koch-Mehrins die Schuld nun auf andere abzuwälzen zeugt von vielem, aber nicht von der Reife, die man von jemandem mit Doktortitel erwarten darf.

    Kommentar:

    Völliger Nonsens ! Seit wann hat jemand mit einem Dr. eine geistige Reife ?? alleine durch den Dr. ??

    Es gibt es in Deutschland nicht nur in der Medizin einen Haufen Betrüger und Kurpfuscher, die x Patienten ins Nirwana durch Kunstfehler geschickt haben,
    also TOTE produziert haben in der Medizin.

    Sie haben alle nicht nur Dr. , sondern oft auch PD s und Prof s.

    Diese Titel haben mit geistiger Reife, Moral und Anstand nichts, aber auch rein gar nichts zu tun, sondern diese sind nur eine intellektuelle Leistung, mehr nicht.

    Insofern ist die ober zitierte Aussage eine reine Phrase, so wie viele heute mit Aussagen um sich werfen, und Schubladen, die anscheinend stimmen, weil sie jeder so verwendet.

    Das ist die unterschwellige Gehirnwäsche. Wenige sind zu tieferem analytischen Denken fähig, und die Spitze in diesem Denken kommt alleine aus der Moral.
    Alleine diese entlarvt alle Phrasen, Schubladen und durch den Zeitgeist verbreiteten Lügen.

    1. Danke für den Kommentar. Sie haben Recht: Um einen Doktortitel zu erlangen, erfordert es eine intellektuelle Leistung. Damit diese aber erbracht werden kann, ist doch zweifelsohne ein bestimmtes Maß an Reife notwendig. Man hört ja immer mal wieder von „Wunderkindern“, die sehr jung schon ihr Abitur machen, studieren und teilweise auch promovieren. Ich bin zu 100 % sicher, dass all diese Wunder eines gemeinsam haben: Sie sind reifer, als ihre Altersgenossen.

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