Silvana Koch-Mehrin klagt gegen Entzug des Doktortitels

Am vergangenen Freitag veröffentlichte die Universität Heidelberg eine Pressemitteilung und informierte die Öffentlichkeit über den zurückgewiesenen Widerspruch von Silvana Koch-Mehrin gegen den Entzug ihres Doktortitels. Bereits am Donnerstag sei Koch-Mehrin nach erneuter Prüfung der Rechtmäßigkeit des Entzugs über die Entscheidung des Rektorats informiert worden.

Koch-Mehrin kündigte ja bereits im Sommer an, wenn nötig auch gerichtlich gegen den Entzug des Doktortitels vorzugehen. Genau dies tritt nun auch ein. Laut Spiegel ging die Klage heute beim Verwaltungsgericht Karlsruhe ein (Az. 7 K 3335/11).

In der offiziellen Pressemitteilung der Uni Heidelberg zur Ablehnung des Widerspruchs von Koch-Mehrins steht unter anderem folgendes:

„Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät hatte im Sommer eindeutige Belege dafür festgestellt, dass […] Dissertation „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: Die Lateinische Münzunion 1865-1927“ in substanziellen Teilen aus Plagiaten besteht. Auf rund 80 Textseiten der Dissertation finden sich über 120 Stellen, die nach Bewertung des Promotionsausschusses als Plagiate zu klassifizieren sind. Diese Plagiate stammen aus über 30 verschiedenen Publikationen, von denen zwei Drittel nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt worden sind.“

Mal ganz ehrlich: Welchen Knall muss man nicht gehört haben, damit man da auf die Idee kommt, sich den Doktorgrad zurück erklagen zu können? Wenn man eine Klage auf den Weg bringt, muss man doch zumindest den Hauch einer Chance wittern, dass sie erfolgreich sein wird!?! Es wäre äußerst verwunderlich, wenn richterliche Gutachter und Richter tatsächlich zu dem Schluss kämen, der Entzug des Doktorgrades im Fall Koch-Mehrin sei zu Unrecht erfolgt. Obiges Urteil der Uni Heidelberg ist doch sowas von eindeutig. Selbst wenn es Koch-Mehrin gelingen sollte, einige der Vorwürfe zu entschärfen – die Anzahl und die Art der Plagiate machen ein vollkommen anderes Urteil unmöglich.

Da muss man sich doch wirlich fragen, wieso Koch-Mehrin so stur und uneinsichtig bleibt. Alles andere als ein – zugegebenermaßen für uns nicht zu erwartender – Erfolg der Klage wäre für Koch-Mehrin ein weiterer Rückschlag, eine weitere Delle im ohnehin verbeulten Image. Vielleicht ist sie aber auch der Ansicht, es gehe gar nicht mehr tiefer und krallt sich deswegen so am Doktortitel fest, um irgendwie vielleicht doch noch rehabilitiert zu werden (grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit)?

Falls jemand Erklärungsversuche hat, her damit!

 

3 Gedanken zu „Silvana Koch-Mehrin klagt gegen Entzug des Doktortitels“

  1. Vielleicht will sie ja nur die Zeit strecken, sie kann auf diese Weise ja immer noch behaupten, dass über den Entzug des Doktorgrades noch nicht endgültig entschieden wurde.

  2. Womöglich wittert Koch-Mehrin Morgenluft, nachdem die Staatsanwaltschaft Hof die Ermittlungen gegen Guttenberg eingestellt und die Uni Potsdam Althusmann einen Doktor zweiter Klasse gelassen hat.

    Koch-Mehrins erste Verteidigungsposition muss lauten, dass die Schwächen der Arbeit bei der Prüfung bereits bekannt waren und auch in den damaligen Gutachten benannt wurden.
    Wenn die Gutachter trotz Kenntnis der Plagiate die Arbeit akzeptiert und die Frau zur Frau Doktor gemacht haben, dann kann die Uni das nun nicht rückgängig machen.

    Sollte sich diese Argumentation nicht halten lassen, wird der entscheidende Punkt sein, dass sie nicht absichtlich getäuscht hat, dass die Arbeit fraglos Fehler enthält, aber dass ein irrtümlich vorgenommener begünstigender Verwaltungsakt nicht zurück genommen werden kann, wenn der Begünstigte ihn nicht durch absichtliche Täuschung erschlichen hat.

    Da Guttenberg sich in den Medien so dargestellt hat, als sei seine absichtliche Täuschung zumindest zweifelhaft, glaubt Koch-Mehrin nun, sie könnte ebenso vorgehen. Dabei zweifelt im Fall Guttenberg niemand seiner Täuschungsabsicht, nicht einmal die oberfränkische Staatsanwaltschaft.

    Im Fall Koch-Mehrin gab es auch eine Petition, die ihren Rückzug aus dem Europaparlament forderte. Die ist bis Anfang Dezember bei 8696 Unterzeichnern stagniert. Aber nun müsste es dort wieder los gehen: Resignation of Silvana Koch-Mehrin from the European Parliament.

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