Fall Dähnert: Briefe und weitere Vorwürfe

Ende Juni berichteten wir über den „Freispruch“ Detlev Dähnerts in Bezug auf die Plagiatsvorwürfe zu seiner Dissertation. Obwohl in der Pressemitteilung der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus deutlich klargestellt wurde, die Arbeit sei kein Plagiat, gab es trotzdem weitere Zweifel und Kritik an dem durch die BTU verkündeten Ergebnis. Die schon direkt nach der Veröffentlichung der Pressemitteilung aufgetauchte Kritik wurde während der vergangenen Wochen noch weiter verstärkt. Unter anderem durch einen offenen Brief.

Schon bei der Bekanntgabe des „Freispruchs“ durfte man sich wundern – schließlich konnte man nach der auf dem Vroniplag veröffentlichten Analyse nur noch mit dem Entzug des Doktortitels für Dähnert rechnen. Alles andere schien ausgeschlossen. Auch daher wurde schon direkt nach der Verkündung von einigen Seiten die Forderung nach einer Veröffentlichung des Untersuchungsberichts laut.

Offener Brief an die BTU

Der offene Brief eines Mitarbeiter der BTU (der übrigens selbst den Doktorgrad inne hat), wurde auf der Webseite der „Niederlausitz aktuell“ veröffentlicht. Der Brief ist absolut lesenswert! Der Autor selbst sei oft gezwungen, Hausarbeiten wegen Plagiarismus mit der Note 5 zu bewerten und fragt sich, wie damit nun in Zukunft umgegangen werden soll, wenn selbst eine Arbeit mit Plagiaten auf wohl 44 % der Seiten letztendlich nicht als Plagiat eingestuft wird. Dr. Kunze weist auch nochmals mit aller Deutlichkeit auf die Zahlungen hin, die die BTU von Vattenfall erhält und hinterfragt kritisch.

Die Antwort der BTU auf diesen offenen Brief ließ nicht lange warten, allerdings ließ sie auch zahlreiche Fragen offen. Die Stellungnahme wurde ebenfalls von der „Niederlausitz aktuell“ veröffentlicht und lässt sich hier nachlesen. Auch nach der Lektüre der Antwort ist man leider nicht wirklich schlauer – schade, dass die BTU auch hier die Möglichkeit auslässt, für Klarheit zu sorgen.

Wer noch mehr zum Thema lesen möchte und keine Angst hat, sich zu arg zu erschrecken, sollte hier die Diskussion verfolgen.

Noch ein Brief – mit schweren Vorwürfen

Letzte Woche veröffentlichte ebenfalls die „Niederlausitz aktuell“ einen weiteren Brief, den ein Bürger der Zeitung übermittelte. Der Bürger erhebt weitere Vorwürfe: Dähnert habe sich Befragungen, die vom Meinungsforschungsinstitut infratest durchgeführt wurden, zu eigen gemacht und diese in die Dissertation einfließen lassen, ohne entsprechend darauf hinzuweisen. Sogar der Fragebogen selbst sei womöglich gar nicht durch Detlev Dähnert entwickelt worden. Der Bürger, welcher selbst auf Seiten von infratest an der Befragung beteiligt war stellt im Brief auch konkret die Frage, ob dieser Sachverhalt bei der Prüfung der Plagiatsvorwürfe ebenfalls berücksichtigt wurde. Verständlich, dass danach gefragt wird, schließlich würde es sich bei dieser Vorgehensweise tatsächlich auch um einen Täuschungsversuch handeln, oder?

Wie geht es weiter?

Das dürfte spannend werden! Wenn die BTU sich nicht noch weiter blamieren möchte, sollte sie für Transparenz sorgen und den Untersuchungsbericht öffentlich machen. Falls das aus anderen Gründen nicht geht, hat die Uni nun wohl ein Problem. Wir berichten, wie es weitergeht.

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2 Kommentare zu Fall Dähnert: Briefe und weitere Vorwürfe

  1. Pingback: Freispruch für Daniel Volk? | Guttengate - Plagiat & Plagiatsvorwürfe

  2. Dipl.-Bau-Ing. G.Frank, HH sagt:

    Moin,
    Ich habe Herrn Dähnert als moderaten und toleranten Chef erlebt. Und habe auch selbst an der genannten BTU (vormals IHS) mein Diplom erwerben können.

    Aus Gründen dümmlicher Unternehmensentscheidungen (UPT München usw.) fiel unser Bereich leider hinten runter und wir haben uns als tw. freie Ing. weiter an den bisherigen Aufgaben beteiligen können.

    Für mich ist Herr Dähnert nach wie vor eine integre Persönlichkeit und meine Kollegen, meine Ehefrau und ich wünsche ihm alles Gute.

    Gunter Frank
    HH

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