Plagiatsvorwürfe: Dr. Michael Heun

Seit vergangener Woche fanden viele unserer Besucher diese Seite über Suchbegriffe wie „Frankfurt school plagiat“ oder „vroniplag frankfurt school“. Diese Besucher landeten auf dem Artikel über die Plagiatsvorwürfe im Fall Arne Heller, da Heller Dozent an der Frankfurt School of Finance and Management ist.

Nun gibt machte das Vroniplag vergangene Woche neue Plagiatsvorwürfe öffentlich. Unter Verdacht, Plagiate in seiner Doktorarbeit verwendet zu haben, steht Dr. Michael Heun.

Die User des Plagiat-Wikis „Vroniplag“ haben sich mit der Dissertation von Michael Heun kritisch auseinandergesetzt, der Plagiatezähler des Vroniplags steht mittlerweile bei ca. 24 %. Die Doktorarbeit mit dem Titel „Finanzmarktsimulation mit Multiagentensystemen. Entwicklung eines methodischen Frameworks.“  wurde im Jahr 2007 veröffentlicht. Dr. Heun wurde an der Frankfurt School of Finance and Management promoviert.

Bei Dr. Michael Heun handelt es sich übrigens nicht um den Chefredakteur der beiden TV-Programmzeitschriften „auf einen Blick“ und „TVKlar“. Bemüht man google mit einer Suche nach „Dr. Michael Heun“ findet man gar nicht so schnell Infos über diesen Michael Heun. Aufgrund der örtlichen Nähe und der Branche, liegt die Vermutung nahe, dass Dr. Michael Heun (u.a. ?) als Berater/Trainer bei den CDC-Business-Consultants arbeitet – sicher sind wir uns da aber nicht. Die Frage „Wer ist Michael Heun“ und können wir an dieser Stelle momentan ebensowenig beantworten wie die Frage nach dessen aktueller Wirkstätte.

Besonders interessant ist der Fall der Frankfurt School of Finance and Management, weil es sich bei der Hochschule um eine private Einrichtung handelt, der das Promotionsrecht zunächst nicht zugestanden wurde, wie aus der Stellungnahme des Wissenschaftsrates (PDF) zur Akkreditierung der Hochschule hervorgeht:

„Der Wissenschaftsrat gelangt insgesamt zu einem positiven Akkreditierungsvotum, nimmt hiervon aber das der Frankfurt School befristet verliehene Promotionsrecht aus.“ [S. 10]

oder

„Gleichwohl ist es der Frankfurt School nicht gelungen, ein für eine Hochschule mit Promotionsrecht erforderliches Forschungspotential über die gesamte Breite aufzubauen und ausreichend national und international sichtbare wissenschaftliche Leistungen und Publikationen hervorzubringen.“ [S. 11]

Siehe auch wikipedia.

In seiner Dissertation übernimmt Heun laut Vroniplag des Öfteren fremde Inhalte ohne die Quellen zu nennen oder er gibt die Quellen immerhin an, allerdings ohne genau zu kennzeichnen, wo der übernommene Teil beginnt und aufhört. Ebenfalls oft werden ganze Abschnitte inklusive Literaturangaben übernommen. Auffällig beim Betrachten des Plagiat-Barcodes ist, dass vor allem in den ersten beiden Dritteln der Arbeit viel plagiiert wurde, im letzten Drittel weniger. Außerdem finden sich zahlreiche Rechtschreibfehler, von denen viele sogar schon im Original vorhanden sind, sowie viele „Übersetzungsplagiate“.

Dieser Fall ist wahrscheinlich für die Öffentlichkeit eher von geringerem Interesse, da es sich bei Dr. Michael Heun (wenn wir nichts übersehen haben) nicht um eine bekanntere Person handelt. Dennoch hat die Leitung der Frankfurt School bereits auf die Plagiatsvorwürfe reagiert und eine kurze Stellungnahme veröffentlicht. Man ginge den Vorwürfen umgehend nach und werde in Kürze informieren. …wir sind gespannt.

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8 Kommentare zu Plagiatsvorwürfe: Dr. Michael Heun

  1. Müller sagt:

    Wetten dass nichts passieren wird, wie bei so vielen anderen auch? In wie vielen Fällen haben die Universitäten mittlerweile entschieden und wie viele offene Fälle gibt es, teilweise schon sehr lange.? Bei Vroniplag geht es wohl auch nicht mehr um seitenlang kopierte Passagen, hier werden kleinlich bestimmte Dissertationen auseinandergenommen, von wahrscheinlich nciht rein zufällig ausgewählten Personen. Siehe auch der Fall Arne Heller. Es entwickelt sich tatsächlich zu einer Art Pranger, hilfreich für Rufmordkampagnen.

  2. Erbloggtes sagt:

    Bei der Suche nach der Identität kann ich evtl. etwas weiterhelfen. Leider gibt es mehrere Autoren dieses Namens, so dass auch die dnb-Publikationsliste falsch ist (letzter Titel von 1969 ist zu alt & medizinisch). Es gibt sogar einen Autor ähnlichen Namens im 17. Jahrhundert.[1]
    Optisch ist Heun ein Phantom 😉 Diese beiden Fotos 1 2 lassen nicht eindeutig erkennen, wer er ist. Es spricht aber einiges dafür, dass es der Herr auf Bild 2 in der Mitte ist (auf Bild 1 in zweiter Reihe ganz links). Die selbe Person bei einer Google-Bildersuche in anderen Zusammenhängen wiederzufinden, stellt sich aber als nicht trivial heraus. (Ich habe auf Anhieb niemanden gefunden, aber manche, die man auf diesem Weg ausschließen kann.)

    Was dem Fall aber seine besondere Würze verleiht, ist, dass der Wissenschaftsrat mit dem Hinterfragen des Promotionsrechts für die private Hochschule in ein Wespennest gestochen haben könnte: Heun war 2007 der erste Promovend der Frankfurt School of Finance and Management.[2, S. 4] Das Promotionsrecht zu entziehen sollte man übrigens generell zur Option machen, wenn sich an einer Hochschule Plagiatsfälle häufen. Dann werden die mehr gegen Plagiate unternehmen.

    • guttengate sagt:

      Danke für die Hinweise! Bilder sind ja nicht so wichtig. Wenn der Herr etwas bildscheu ist, dann ist das schon ok so.
      Viel interessanter ist in der Tat die zweite Information, die uns bisher unbekannt war.

  3. Pingback: Nächster Plagiatsverdacht: Dr. Arne Heller und Doktorarbeit | Guttengate - Plagiat & Plagiatsvorwürfe

  4. Hansgert Ruppert sagt:

    So sehr ich auch grundsätzlich ein Gegner des Promotionsrechts für Fachhochschulen bin (egal ob öffentlich oder privat), so sehr muss ich doch hier Herrn Dr. Heun in Schutz nehmen. Die Anschuldigungen auf Vroniplag sind zum größten Teil unangebracht, wie sich dem sachkundigen Auge bei näherem Hinsehen rasch erschließt. In meinem Twitter-Stream vroniplag_qc, bin ich bis noch vor wenigen Tagen kurz auf jeden einzelnen Vorwurf seitens Vroniplag eingegangen. Man mag sich dabei nicht immer meiner Meinung anschließen, so wie man sich nicht immer Vroniplag anschließen mag. Der Trend jedoch ist klar erkennbar: Die Vorwürfe sind zwar vereinzelt korrekt, im Großen und Ganzen aber haltlos. Wohlgemerkt: Dies gilt nicht für Vroniplag generell, sondern nur speziell im „Fall“ Heun! (Man wird allerdings Vroniplag etwas im Auge behalten müssen, es wird dort m.E. nicht mehr so präzise gearbeitet wie noch vor Jahresfrist.)

  5. WiseWoman sagt:

    Lieber Hansgert,
    das muss ich aber zurückweisen, dass hier was haltlos ist. Schau doch einfach mal ein paar Brocken an:
    * Herausragende Fundstellen
    * Fehlerhafte Quellenangaben
    * Übersetzungsplagiate

    Klar, es gibt ein paar „kleine“ Stellen, die für sich alleine genommen nicht problematisch wären. Aber wenn ein ganzer Seite daraus besteht, habe ich meine Probleme damit. Ich würde liebend gerne auch noch inhaltlich darauf eingehen, aber bei VroniPlag werden nur Plagiate ausgewiesen.

    Es ist egal, wer er ist – wichtig ist die Arbeit und der Hochschule, die dafür einen Dr.-Grad verliehen hat. Immerhin, der Präsident der Hochschule hat innerhalb von Stunden auf mein Brief reagiert, das fand ich sehr gut.

  6. Hansgert Ruppert sagt:

    Dear WiseWoman,

    jede Seite besteht aus kleineren Einheiten. Wenn Du, wie bei Heun geschehen, bei Dreier- bis Fünfergruppen von Worten angekommen bist, im Extremfall bei einzelnen Worten („Hey! ‚Inhaltsverzeichnis‘ habe ich schon mal woanders gelesen!“) dann bin ich da einfach nicht mehr bei dir.

    Aber wir können doch auch mal in der Sache uneins sein, oder? Wir bleiben doch deswegen respektvoll im Ton. Nun sag doch schon, bitte: Was hat er denn gesagt in seiner Reaktion, der Herr Präsident?

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