Annette Schavan – uneinsichtig oder unschuldig?

Der Plagiatsfall der, seit kurzem, ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung zog sich über viele Monate hin. Bereits im Mai des vergangenen Jahres wurden die Plagiatsvorwürfe in einem eigens dafür eingerichteten Blog namens „Schavanplag“ veröffentlicht und dokumentiert. Damals startete der Initiator einen Alleingang, da die Ergebnisse der Analyse noch nicht veröffentlicht werden sollten, da die Anzahl der eindeutig als Plagiat identifizierten Stellen zu diesem Zeitpunkt noch nicht als ausreichend hoch erachtet worden war. Nach den öffentlichen Anschuldigungen nahm noch im Mai auch die Universität Düsseldorf Untersuchungen zu Schavans Doktorarbeit auf. Danach wurde es recht schnell wieder ruhiger – vielleicht auch, weil Schavan selbst sich nicht zu den Vorwürfen geäußert hatte, sondern eisern schwieg.

Als im Oktober Auszüge und Ergebnisse eines Gutachtens zur Doktorarbeit Schavans auftauchten, gab es Wellen der Empörung. Zum einen über das Ergebnis des Gutachtens, nämlich, dass Annette Schavan abgeschrieben habe (SPIEGEL ONLINE), zum anderen darüber, dass das Gutachten vorab an die Öffentlichkeit gelangt war. Kurz darauf tauchten weitere schwere Vorwürfe auf, die Schavan belasteten. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber auch Stimmen, die Schavan beipflichteten und sie unterstützten – auch aus der Wissenschaft. Trotz der Aufregung wurde es aber wieder schnell ruhig im Fall Schavan. Diese Ruhe dauerte an bis zur Bekanntgabe der Entscheidung der Universität Düsseldorf: Enzug des Doktortitels von Annette Schavan

Abgeschrieben oder nicht?

Das Urteil der Universität Düsseldorf ist eindeutig:

„[…] ergeben der Überzeugung des Fakultätsrats nach das Gesamtbild, dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte.“

Mittlerweile wurde übrigens auch die Uhrzeit der Pressemeldung auf 20:35 Uhr korrigiert, denn ursprünglich war die Pressemeldung auf 13:52 Uhr datiert. Dabei handelte es sich aber wahrscheinlich nur um die Uhrzeit, zu der die Pressemeldung im CMS der Uni angelegt wurde.

Auch der Kommentar des Schavanplags ist absolut eindeutig und dank der Belege äußert entwaffnend für Schavan. Lesetipp! Dennoch gibt es nach wie vor anderslautende Stimmen, die den Entzug des Titels nicht für gerechtfertigt halten. Kurt Biedenkopf stellte dies heute in der WELT klar und benennt den wirklichen Skandal im Fall Schavan. Es fehle der Beweis für den Vorsatz der Täuschung, ohne den die Aberkennung des Doktortitels nicht rechtens sei. Daher stünden die Chancen ihrer Klage nicht schlecht.

Die mediale Aufmerksamkeit

Der Plagiatsfall zu Schavans Doktorarbeit fand in den Medien große Beachtung. In Anbetracht der Position Schavans als Bundesministerin für Bildung und Forschung ist dies nicht verwunderlich. Dennoch kommt die Menge der Berichterstattungen nicht an den Fall Guttenberg heran, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass Guttenberg sich gerne in der Öffentlichkeit zeigte, sich selbst inszenierte und das Rampenlicht genoß. Eine plagiierende Bundesministerin, die nun wegen dem (übrigens noch nicht rechtskräftigen, da Schavan gegen Entzug klagt) Entzug des Doktortitels zurücktritt, erregt natürlich auch Aufmerksamkeit über die Landesgrenzen hinweg. Der interessierte Leser findet Links zu entsprechenden Artikeln im Pressespiegel des Vroniplags.

Sehr interessant wären hier die Zugriffszahlen, bzw. das Diagramm der Nutzerzahlen inklusive Zeitachse des Schavanplags, um obige Punkte darin zu kennzeichnen. Vielleicht besteht ja die Möglichkeit, dies (ohne absolute Zahlen) zu bekommen?

Wie geht es weiter?

Dr. Annette Schavan hatte bereits angekündigt, gegen die Aberkennung vorzugehen und Klage einzureichen. Nach der Lektüre der Begründung und zahlreicher dokumentierter Plagiatsfunde in ihrer Dissertation fällt es tatsächlich schwer zu glauben, dass es sich bei den Plagiaten schlicht um Schlamperei gehandelt haben soll. Doch selbst falls kein Vorsatz vorhanden war, wäre Schavan schwer als „Bildungsministerin“ zu halten gewesen. Gerade die Ministerin für Bildung und Wissenschaft muss doch wissen, was wissenschaftliches Arbeiten bedeutet und ihre Dissertation darf dann nunmal keine solch gravierenden Mängel aufweisen. Dass sie nun kämpft ist verständlich, schließlich wäre sie beim Entzug des Doktortitels auch ohne Studienabschluss. Wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung.

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