Der Druck auf Schavan steigt

Nachdem am Wochenende der SPIEGEL über das Gutachten der Uni Düsseldorf zu Schavans Doktorarbeit berichtete, gibt es mal wieder zahlreiche Schlagzeilen zum Thema Plagiat. Wir erinnern uns: Anfang Mai gab es plötzlich eine Internetseite namens „Schavanplag“, auf der die Doktorarbeit von Annette Schavan auf Plagiate untersucht wurde und die Ergebnisse sofort veröffentlicht wurden. Zum Start von Schavanplag erschienen einige kleinere Berichte und Schavan selbst äußerte sich nicht so richtig zu den Vorwürfen – man konnte annehmen sie wollte die Plagiatsvorwürfe (wie manch einer vor ihr) einfach aussitzen. Einen tatsächlichen Skandal machte die Presse daraus nicht, obwohl die Vorwürfe doch recht gut nachvollziehbar waren und Schavan die Messlatte durch ihre Äußerungen im Fall zu Guttenberg hochsetzte.

Bemerkenswert an den Untersuchungen zur Doktorarbeit von Annette Schavan ist, dass erste Vorwürfe bereits innerhalb der Vroniplag-Aktivisten auftauchten, es aber nach einer internen Abstimmung nicht zur Veröffentlichung der Vorwürfe kam. Daraufhin hat der Initiator von Schavanplag einen Alleingang gestartet. Sollte die Uni Düsseldorf tatsächlich zum selben Schluss kommen, wäre es ein großer Erfolg für das Schavanplag. Doch nicht nur für das Schavanplag, denn Schavans potenzielle Plagiate wären sonst womöglich nie in dieser Weise ans Licht gekommen.

Der SPIEGEL zitiert aus dem Gutachten:

„Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren.“

Der Gutachter beanstandet nicht ganz so viele Stellen wie das Schavanplag, dennoch kommt er in seiner Analyse laut Spiegel auf 60 Fundstellen (gegenüber 75 Fundstellen von Schavanplag, siehe Abschlussanalyse-PDF).

Bundeskanzlerin Merkel steht hinter Schavan

Schavan selbst weist die Vorwürfe deutlich zurück und auch Angela Merkel steht trotz den Neuigkeiten hinter Schavan, wie der Focus berichtet. Aber auch bei Guttenberg stand sie anfangs hinter denm Doktorspielen ihres Ministers.

Wann erscheint Gutachten offiziell?

Die entscheidende Frage bleibt trotz des Gutachtens, ob die Universität Düsseldorf selbst auch zum selben Schluss kommt und ob sie Schavan den Doktortitel entziehen wird. Bei den sich bereits im Umlauf befindlichen Auszügen aus dem Gutachten, kann man eigentlich nur den Entzug des Titels erwarten. Hinzu kommt die neu gewonnene mediale Aufmerksamkeit, die für zusätzlichen Druck – sowohl auf Uni als auch auf Schavan – sorgt. Auch nach dem Entzug des Doktortitels blieben noch spannende Fragen offen: Bleibt Schavan als Bundesministerin für Bildung und Forschung im Amt? Wird sie ihre Honorarprofessur behalten können? Man muss wahrlich kein Prophet sein, um voraussehen zu können, dass Schavan als überführte Plagiatorin als Bildungsministerin untragbar wäre.

 


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